Der Treppenwitz der Weltgeschichte

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Unter dem heute zu einem geflügelten Wort gewordenen Titel präsentiert uns der Verfasser ein von ausgedehnten Studien zeugendes Werk, das manche uns lieb gewordene Illusion zerstört. Er weist nach, dass unsere gewöhnliche Kenntnis der Weltgeschichte sich hauptsächlich aus einer Reihe von Einzelgeschichten zusammensetzt, welche sich meistens durch irgendeinen Knalleffekt, ein geistreiches Bonmot oder eine überraschende Tat auszeichnen und gerade deshalb sich unserem Gedächtnis besonders leicht einprägen. Aber gerade diese Geschichten sind meistens unwahr und nicht imstande, einer genaueren kritischen Beleuchtung standzuhalten. Durch eine Fülle von Belegen wird nachgewiesen, dass gerade die bekanntesten Fakten aus der Weltgeschichte das Produkt der üppig wuchernden Phantasie der Chronisten sind, deren jeder den andern durch Mitteilung interessanter Dinge zu übertreffen suchte (daher auch der Ausdruck ,,Treppenwitz"). Dass die schönen und uns so lieb gewordenen Historien vom Tell und von der Jungfrau von Orleans Märchen sind, weiß heute jedes Schulkind. Der Verfasser beweist uns jedoch in seinem lesenswerten Werk, dass es mit vielen andern geschichtlichen Daten leider nicht anders bestellt ist. Dass dem so ist, ist uns schon lange wahrscheinlich gewesen, ist es doch die natürliche Konsequenz der Auffassung des Begriffes der Weltgeschichte namentlich in früherer Zeit. Von Plutarch bis ins 19. Jahrhundert hinein sind die Geschichtswerke zum allergrößten Teil Anekdotensammlungen gewesen, erst zu Beginn des letzten Jahrtausends hat man begonnen, die Nationen als Ganzes zu betrachten und die Geschichte ihrer wachsenden Zivilisation zu schreiben. Die Geschichte der Völker kann nicht durch Anekdotenwitze gefälscht werden, und unsere Nachkommen werden daher unseren Historiographen vielleicht Parteilichkeit, aber keine direkte Erfindung mehr vorwerfen können.

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